Samstag, 28. Februar 2015

Ray Novacane /// Review #7

Wenn verschiedene Genres miteinander gemixt werden, entsteht oft ein interessantes Gesamtbild, weil man Musik in manchen Kombinationen so noch nicht oder zumindest selten gehört hat. Das soll jedoch nicht heißen, dass wildes Zusammenfügen von Musikrichtungen, die besser voneinander getrennt sind, generell eine schlaue Idee ist, um anders zu klingen als die breite Masse. Harmonie bleibt definitiv eine Grundvoraussetzung.

"Reminiscence" von Ray Novacane

Bei der Electro-Soul-Band Ray Novacane aus Köln und München funktioniert das ausgezeichnet, wobei sich auch noch viele andere Musikstile in ihrer im November des letzten Jahres veröffentlichten Debüt-EP "Reminiscence" finden lassen.



Schon der erste Song "Believing" präsentiert dem Hörer die herausragende Stimme von Sängerin Ray Lozano, die im Hintergrund dezent und sehr atmosphärisch instrumental von ihren Bandkollegen unterstützt wird. Niklas Schneider, Simon Manthey und Lorenz Stipicic geben den Tracks die gewisse Würze, ohne zu dominieren. Gesang und Instrumental sind sehr gut aufeinander abgestimmt.



So auch in "Since you've been gone" (Track 2). Isoliert voneinander betrachtet würde man vielleicht schätzen, dass Gesang und Instrumental hier nicht ganz so gut harmonieren könnten. Doch Ray Novacane schaffen es, dass Ray Lozanos soulige Stimme perfekt zu den Klängen der anderen Bandmitgliedern passt.



Spätestens bei "Fallacy" (Track 3) wird deutlich, dass die Songs der Band stets sehr unterschiedlich klingen. Sie alle haben aber - mehr oder weniger stark ausgeprägt - etwas gemeinsam: Futuristischen Sound. Da gibt es auch innerhalb eines Stückes mal plötzliche Überraschungen und der Hörer ist dauerhaft etwas gespannt, was wohl als nächstes passieren wird.



So hält auch "Reminiscence" (Track 4) einige unerwartete Wendungen bereit und beweist mal wieder das große Spektrum, welches Ray Novacane in der Lage sind zu meistern. In einem Interview sagte die 2013 gegründete Band mal: "Wir bringen natürlich alle einen eigenen Style rein." Diese Vielfältigkeit kombiniert mit der heraushörbaren Liebe zum Detail dürften die Erfolgsformel der vier Musiker ausmachen.



Mit "Can't stay" (Track 5) geht die EP zu Ende. Da schlagen Ray Novacane ruhigere Töne an - das meint man zumindest erstmal. Der Song nimmt jedoch immer mehr an Fahrt auf und rundet "Reminiscence" geschickt ab.

Was besonders auffällt: Obwohl vor allem instrumental viel experimentiert wird, bestimmt die talentierte Stimme von Ray Lozano größtenteils die Tracks. Mit guten Kopfhörern wird dabei ein Effekt besonders deutlich: Die anderen Bandmitglieder fixen den Hörer zunächst an, dann bahnt sich der Gesang seinen Weg und dringt sehr sauber produziert ins Ohr, während sich das Instrumental ohne einfallslos oder bedeutungslos zu werden zurückhält. Hut ab!

Die EP "Reminiscence" bekommt ihr kostenlos auf der Bandcamp-Seite von Ray Novacane, aber hey: Dort könnt ihr auch ein paar Münzen springen lassen, um die Band zu supporten und sie ein wenig für ihre tolle Platte zu entlohnen.



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